„Jenseits aller Menschlichkeit“

Veröffentlicht am 08.08.2021 in Pressemitteilung

Wanderausstellung über NS-Verbrechen im Historischen Rathaus Andernach

 

Nachdem die von Konrad Sabel, Kai Seebert, Leiter des Andernacher Stadtmuseums, und Alfred Adams initiierte Wanderausstellung „Jenseits aller Menschlichkeit“ am Holocaust-Gedenktag, 27.01.2021, im Kurfürst-Salentin-Gymnasium Andernach eröffnet worden war, durfte sie anschließend in einigen geplanten weiterführenden Schulen wegen der Corona-Pandemie vorläufig nicht stattfinden.

Am 26. Juli 21 konnte Andernachs Oberbürgermeister Achim Hütten im Historischen Rathaus einige geladene Gäste, darunter Konrad Sabel (Initiator), die Autorin Gabriele Keiser und den Andernacher Museumsleiter Kai Seebert, gemeinsam mit dem SPD-Politiker und Schirmherrn Marc Ruland zur inzwischen 4. Ausstellung begrüßen. Im Kontext mit dem großen Interesse der Schülerinnen und Schüler an dem Thema der Ausstellung unterstrich Achim Hütten auch die enorme Hilfsbereitschaft der jungen Leute, die seit Beginn der Hochwasserkatastrophe auch im Kreis Ahrweiler aktiv seien. Im Focus stehe hier Respekt, Empathie und Wertschätzung. „Die Jugend wird die Zukunft besser gestalten, als wir es getan haben“, so Hütten.

„Die Nazis haben schlimme Verbrechen begangen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Auch Andernach zählt zu den vielen Tatorten. So sind in der Heil- und Pflegeanstalt im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms über 2000 Menschen in den Tod geschickt worden“, so Marc Ruland, Generalsekretär der SPD Rheinland Pfalz und Kreisvorsitzender MYK, der in seiner emotionalen Ansprache zunächst den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zitierte: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“ Es gebe immer weniger  Zeitzeugen und deshalb stelle sich die Frage, wie die Erinnerung an die damaligen Gräueltaten wachgehalten werden könnten. „Bilder sagen oft mehr als 1000 Worte und jedes einzelne Bild in dieser Ausstellung geht unter die Haut“, betonte der SPD-Politiker, der weiter ausführte: „Wenn diese Bilder die Besucher der Ausstellung berühren, haben sie ihr Ziel erreicht. Jede Auseinandersetzung mit den von den Nazis begangenen Verbrechen ist ein Engagement für die Demokratie und gegen Gewalt.“ Ruland unterstrich, dass ein dauerhaftes Erinnern auch in unserer heutigen Zeit notwendig sei, denn: „Die Feinde der Demokratie sind inzwischen überall!“ Hass und Hetze seien allgegenwärtig, Rassismus und Ausgrenzung an der Tagesordnung. „Wehret den Anfängen“, sagte Marc Ruland, nachdem er das wohl bekannteste Zitat des Theologen und Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus, Martin Niemöller wiedergegeben hatte: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Die Krimi-Autorin, Lektorin und VHS-Dozentin Gabriele Keiser setzt sich bereits seit Langem mit dem Thema Nationalsozialismus auseinander. Ihre umfangreichen Recherchen stellte sie auch Konrad Sabel für die Ausstellung „Jenseits aller Menschlichkeit“ zur Verfügung. In ihrer Rede wies auch sie eindringlich darauf hin, dass man die Vergangenheit nicht einfach ruhen lassen dürfe, da der Rechtspopulismus überall auf der Welt um sich greife. „Rechtspopulisten geben vor, soziale Probleme zu lösen, wollen jedoch nur die Macht. Genauso fing auch damals alles an“, so Gabriele Keiser. 

Nach einem Grußwort von Kai Seebert unterstrich Konrad Sabel die beeindruckende Resonanz seitens der Lehrer, Schüler und auch einiger Studenten, die das Thema für ihre Bachelor-Arbeit ausgewählt hatten. Er versprach, dass er sich auch in Zukunft dafür einsetzen werde, die dunkle Zeit der Geschichte am Leben zu erhalten. Wörtlich sagte er: „Wir müssen dafür sorgen, dass den jungen Leuten die Ansprechpartner nicht verloren gehen.“ Dafür sei es u.a. erforderlich, auf die junge Generation individuell einzugehen. 

 

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