SPD MYK: „Pflege fachgerecht gemeinsam gestalten!“

Veröffentlicht am 10.12.2018 in Pressemitteilung

Sozialdemokraten mit Prof. Brandenburg von der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar(PTHV) im Gespräch

 

Am 03.12.2018 haben sich Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion und des SPD Kreisvorstandes mit Herrn Professor Dr. Hermann Brandenburg über aktuelle Fragen der Pflege ausgetauscht. Brandenburg, der an der PTHV den Lehrstuhl für Gerontologische Pflege innehat, berichtete über die aktuelle Pflegesituation vor Ort, im Land und im Bund. Danach diskutierten die interessierten Genossinnen und Genossen mit dem Referenten über die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die künftige Pflegesituation. „Wenn wir über den demographischen Wandel sprechen, werden oftmals Horrorszenarien gezeichnet. Dass ältere Menschen in der Überzahl sein werden ist aber keineswegs ein solches Problem, wie es oft dramatisiert dargestellt wird. Wir müssen aber dafür Sorge tragen, dass auch künftig jeder Pflegebedürftige versorgt wird und alle Bürgerinnen und Bürger in das soziale Leben der Gesellschaft eingebunden werden können“, stellt Brandenburg gleich zu Beginn klar.

Zentrales Thema war die Finanzierung der Pflege. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist Deutschland bei seinem Aufwand an Pflegekosten auf den hinteren Plätzen. Belastend ist hierbei der bürokratische Aufwand, wie zum Beispiel die Pflegedokumentation. „Bei der Dokumentationspflicht in der Pflege scheiden sich die Geister: Es wird stark diskutiert, ob eine Dokumentationspflicht in ihrer jetzigen Ausprägung im Sinne der Patienten ist. Jedoch darf diese Diskussion nicht zu übertriebenen Forderungen führen. Eine gewisse Bürokratie bedeutet Fortschritt und ist im Sinne des Patienten, da hierdurch Arbeitsabläufe besser nachverfolgt und für künftige Behandlungen patienten-individuell ausgewertet werden können“, so Brandenburg weiter. Dieser Aufwand dürfe aber nicht zu Lasten der täglichen Pflegequalität gehen und weitere Personaleinsparungen durch eine Senkung der Fachkraftquote seien der falsche Weg, wie Brandenburg weiter erklärte. „Hierbei müssen wir auch darüber sprechen, ob die Orientierung der Pflegeangebote an Markt und Wettbewerb wirklich sinnvoll ist. Privatgewerbliche Träger der Pflegeheime nehmen zu. Problematisch sind hierbei keinesfalls die privaten, mittelständischen Pflegeheime, sondern große ‚Pflege-Ketten‘. Diese haben oftmals höhere Renditeansprüche“, so Kreistagsmitglied und Andernacher Landtagsabgeordneter Marc Ruland. 

Die Vereinbarkeit von familiärer Pflege und Beruf standen ebenso zur Debatte. Pflege ist in Deutschland vorwiegend auf die Familie konzentriert. „Das hat Vor- und Nachteile. Menschen, die ihre Lieben zu Hause pflegen, zeigen großes und starkes Engagement und es ist oftmals ein emotionaler Wunsch, seine Angehörigen im Alter im eigenen Heim zu versorgen“, so der Fraktionsvorsitzende Achim Hütten. „Viele Angehörige isolieren sich durch diese immense Aufgabe aber zunehmend gesellschaftlich. Hier muss die Politik vorsorgen und den Angehörigen frühzeitig Fachkräfte zur Entlastung zur Verfügung stelle“, so Hütten weiter.  

„Ich begrüße es sehr, dass Herr Professor Brandenburg die Pflegestruktur in Rheinland-Pfalz als sehr gut und differenziert, sowohl in den urbanen Zentren, als auch im ländlichen Raum, einschätzt! Wichtig ist jetzt, dass der Fachkräftemangel angegangen wird“, so Kreistagsmitglied und stellvertretenden Vorsitzende der SPD MYK, Karin Küsel. „Dabei müssen Kommune, Land und Bund gemeinsam handeln. Die Attraktivität der Pflegeberufe hängt mit bundesweiten Entwicklungen zusammen. Mit einem flächendeckenden Tarifvertrag kann eine respektvolle und gerechte Entlohnung für Pflegekräfte garantiert werden. Daneben sind aber auch die konkreten Arbeitsbedingungen vor Ort von entscheidender Bedeutung“ „Die rheinland-pfälzische Landesregierung engagiert sich im Einsatz gegen den Fachkräftemangel bereits seit Längerem. Diese Maßnahmen zeigen im bundesweiten Vergleich Wirkung“, so Brandenburg weiter.

„Wenn wir über die Pflege sprechen, sollten wir immer bedenken: Wo ständen wir ohne diese Menschen, die nun Pflege bedürfen? Wir müssen unseren Eltern auch mit einer gerechten und würdigen Pflegeversorgung Dankbarkeit und Respekt entgegenbringen. Das muss der Politik bei ihren Entscheidungen stets Leitlinie sein“, so Ruland abschließend.

 

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