Nahles: Jobcenter-Kompromisspaket wird nicht mehr aufgeschnürt

Veröffentlicht am 07.03.2009 in Arbeit

Berlin (dpa) - Im Streit um die Neuorganisation der Jobcenter hat die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles der Union eine «klare Verweigerungshaltung» vorgeworfen. «Ich halte das für ein unverantwortliches parteitaktisches Manöver», sagte Nahles der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. In der Wirtschaftskrise gefährde dies massiv die von allen gewünschte Betreuung von Millionen Langzeitarbeitslosen aus einer Hand.

Das Bundesverfassungsgericht hatte die Mischverwaltung von Kommunen und Arbeitsagenturen in den Jobcentern beanstandet und eine Neuregelung bis Ende 2010 verlangt. Nahles verwies auf den von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) jüngst mit den Ländern vereinbarten Kompromiss. Dieser sieht eine Grundgesetzänderung vor, damit die 350 Jobcenter weiter arbeiten können. Die 69 Optionskommunen, die alleine für die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger zuständig sind, sollen eine unbefristete Bestandsgarantie erhalten.

Der Kompromiss wurde jedoch überraschend von der Fraktionsführung der Union aufgekündigt. Auch bei der letzten Koalitionsrunde im Kanzleramt gab es keine Annäherung. Ohne rasche Einigung steht die Reform auf der Kippe. «Wir schnüren das Kompromiss-Paket nicht mehr auf», stellte die SPD-Vize klar. «Das wäre für alle anderen Beteiligten eine Zumutung.» Die Verhandlungen seien «abgeschlossen». Dabei habe die SPD nach langem Zögern auch der verfassungsrechtlichen Absicherung der 69 Optionskommunen zugestimmt.

In der Hoffnung auf einen Wahlsieg spiele die Unionsfraktion jetzt «auf Zeit». Dies zeige sich daran, dass Fraktionschef Volker Kauder (CDU) «seine Bauchschmerzen erst auf den letzten Metern vor dem Ziel entdeckt hat». Dafür habe sie kein Verständnis, sagte Nahles. «In dem Moment, in dem die Krise am Arbeitsmarkt ankommt, trägt die Union die Unsicherheit in die Kommunen» - und zwar unabhängig davon, welche Partei dort das Sagen habe.

Im Tauziehen um eine Lohnuntergrenze für die Zeitarbeitsbranchehält die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion eine Verständigung für möglich. Es sei verabredet worden, dass Minister Scholz einen neuen Vorschlag macht und es darüber Gespräche gebe. «Wir werden aktiv den Versuch unternehmen, zu einer Lösung zu kommen.»

Die Union besteht darauf, dass in der Zeitarbeit kein existierender Flächentarifvertrag durch einen anderen mit höheren Stundenlöhnen verdrängt wird. Den untersten Tarifvertrag des Christlichen Gewerkschaftsbundes mit Lohnuntergrenzen von 6,00 Euro im Osten und 6,50 Euro im Westen hält die SPD aber nicht für schützenswert. Sie hat signalisiert, eine Lohnuntergrenze leicht unterhalb des mit dem DGB geschlossenen Tarifvertrages zu akzeptieren.

Gespräch: Günther Voss, dpa

 

Homepage SPD Mayen-Koblenz

Willkommen in Urmitz

Dr. Thorsten Rudolph MdB

Besucher:499306
Heute:123
Online:1

23.06.2026 19:06 Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission
Reform muss zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führen Der Abschlussbericht der Rentenkommission ist eine gute Grundlage für eine umfassende Reform, die wir jetzt gründlich beraten und dann auf den Weg bringen wollen. „Die Kommission hatte die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ihren Lebensstandard im Alter sichern… Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission weiterlesen

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

Ein Service von websozis.info